Verschärfte CFD-Regulierung in Großbritannien

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Die britische Finanzaufsicht FCA hat Anfang Dezember 2016 bekanntgegeben, dass sie ihre Regulierungsvorschriften für den CFD-Handel deutlich verschärfen wird.

Es ist nach der zypriotischen CySEC schon die zweite europäische Finanzaufsicht, die diesen Schritt geht. Die deutsche BaFin könnte alsbald nachziehen.

Um welche Regelungen handelt es sich?

Die FCA wird den CFD-Handel nicht verbieten, allerdings müssen die Broker die Hebel für Privatanleger deutlich verringern. Bislang geht es bei den konkreten Regeln, die erst im März 2017 in Kraft treten sollen, nur um den CFD-Handel. Den Binärhandel erwähnt die FCA in ihrem Statement allerdings auch. Die CySec hat diesen bereits 2015 deutlich schärfer reguliert und gegen einige Binärbroker, von denen es sehr viele auf der Insel gibt, teure Sanktionen verhängt. Die FCA hingegen fokussiert bislang auf die Aufklärung der Anleger zum CFD-Handel und nicht zuletzt um die zur Verfügung stehenden hohen Hebel für Privatanleger. Nach Auffassung der britischen Aufsichtsbehörde sind unaufgeklärte Trader gefährdet, wenn sie auf Aktien, Rohstoffe, Indizes und Währungen CFDs mit Hebeln über 1:50 handeln. Bislang sind bei vielen Brokern Hebel bis 1:200 der Standard, mit bestimmten Konten sind Hebel von 1:400 üblich, einige Broker bieten auch Hebel bis 1:2.000 an. Die FCA wird diese Hebel nun per Regulierung einschränken. Der Hintergrund: Die FCA hat in einer jüngeren Analyse festgestellt, dass 82 % aller Anleger im CFD-Trading per saldo Verluste erleiden. Diese Größenordnung klingt realistisch. Als konkrete Maßnahmen plant die FCA:

  • Es werden künftig standardisierte Risikohinweise der Broker zu CFDs vorgeschrieben. Dazu soll auch die verpflichtende Offenlegung der Gewinn-Verlust-Relation aller CFD-Trades (des jeweiligen Brokers) gehören. Es könnte sich um einen Warnhinweis wie auf Zigarettenschachteln handeln: “Im Jahr 2016 erlitten 82 % unserer CFD-Trader Verluste in einer Größenordnung von xxx Milliarden britischen Pfund.”
  • CFD-Anfänger mit weniger als einem Jahr Erfahrung dürfen nur einen Hebel bis 1:25 nutzen.
  • Für alle Privatkunden gilt künftig ein maximaler Hebel bis 1:50. Auf riskanten Einzelmärkten - das könnte den Forex- und Indexbereich betreffen - wird der Hebel im Einzelfall reduziert.
  • Boni werden künftig verboten. Das soll für Neu- und Bestandskunden gleichermaßen gelten.
  • Handelsvolumen
  • Marktkapitalisierung
  • Volatilität und Standardabweichung
  • Land des Emittenten und allgemeines wirtschaftliches Klima
  • Hedging-Fähigkeiten

Prognose von Fachleuten zu den neuen Regeln

Fachleute der Branche erwarten, dass die Regelungen ab März oder April 2017 in Kraft treten. Die FCA wartet bis zum 07.03.2017 auf das Feedback der britischen Broker. Wahrscheinlich wird sich an der grundlegenden Marschrichtung nichts ändern, bestenfalls könnten die Hebel etwas anders aussehen als bislang geplant - vielleicht 1:30 statt 1:25 und 1:60 statt 1:50. Vielleicht werden die Regeln aber auch noch schärfer. Das Großbritannien einer der Hauptstandorte von CFD-Brokern ist - die CFDs wurden auf der Insel erfunden -, dürften sich andere Finanzaufsichtsbehörden der britischen Argumentation wohl kaum verschließen und ähnliche Regeln in Kraft setzen. Andererseits koppelt a) der bevorstehende Brexit Großbritannien von den MiFID-Regeln der EU für die Finanzmärkte ab, b) können Trader immer zu einem osteuropäischen oder überseeischen Broker ausweichen. Die hochriskanten Hebel von 1:2.000 bieten beispielsweise einige russische Broker an.

Kommentare zum Vorhaben der FCA

Die britische Aufsichtsbehörde bemängelt in ihrem Statement sehr stark die Intransparenz bei einigen CFD-Brokern. Des Weiteren setzt sie den hoch gehebelten Handel wie auch die Binäroptionen teilweise mit Glücksspiel gleich. Sie will vor allem die Broker zur besseren Aufklärung zwingen und die Branchenstandards in dieser Hinsicht generell verbessern. Branchenkenner wiederum halten das FCA-Vorhaben für überflüssige Willkür und Gängelei. Immerhin entsteht den Privatanlegern höchstens Schaden für sich selbst. Der Schutz vor falscher Anlageberatung scheint nötiger zu sein. Letzten Endes greift die Verkleinerung der Hebel möglicherweise auch viel zu kurz: Die Trader dürften daraufhin entweder häufiger oder mit mehr Kapitaleinsatz pro Investition handeln. Beides könnte die Verluste noch viel weiter als bisher erhöhen.

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