Die CFD Hebel Beschränkungen der ESMA im Detail - Eine Analyse und mögliche Auswirkungen

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Die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA hat neue Regeln für den Derivatemarkt aufgestellt. Binäre Optionen sind nun in der EU verboten, die Hebelwirkung von CFDs wurde für private Trader stark eingeschränkt. Dafür entfällt auch die Nachschusspflicht beim CFD-Handel.

Die Regeln sollen den Anlegerschutz stärken, werden aber gerade von Anlegern - in diesem Fall CFD-Tradern - in Teilen sehr kritisch betrachtet.

Über die ESMA

Um zu verstehen, wieso eine europäische Aufsichtsbehörde so weitgehend in den Handel eingreifen kann, müssen Anleger die Rolle der sonst im Hintergrund operierenden ESMA besser verstehen. Es handelt sich bei der European-Securities and Markets-Authority (“Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde”) um eine junge EU-Institution, sie wurde erst 2011 errichtet. Ihren Sitz hat die Behörde in Paris. Sie gibt die Leitlinien für die europäische Finanzpolitik vor und kann Verordnungen erlassen - wie im Falle der Binären Optionen und der CFDs geschehen -, die in Ländern der EU Gesetzeskraft haben. Nationale Finanzaufsichtsbehörden wie die deutsche BaFin müssen diese Verordnungen gegenüber den von ihnen beaufsichtigten Finanzdienstleistern umsetzen. Das Ziel der ESMA ist der Schutz von öffentlichen Interessen durch eine Überwachung und Regulierung der Wirtschaft und speziell des Finanzsektors in der Europäischen Union. Damit will die ESMA die Stabilität und Effizienz des Finanzsektors sichern und Anleger schützen. Unter anderem kann sie der EU-Kommission Vorschläge für bestimmte Verordnungen vorlegen, aber auch selbst Verordnungen gegenüber den nationalen Behörden (wie der BaFin) und sogar gegenüber einzelnen Marktteilnehmern erlassen. Letzteres ist geschehen. Die ESMA hat sich für das eher selten angewendete Mittel der Produktregulierung entschieden, welche die Broker nun direkt anwenden müssen. Angesichts der Position der ESMA ist davon auszugehen, dass es für diesen Schritt sehr gute Gründe gab.

Welche neuen Regelungen gibt es konkret?

Binäre Optionen wurden ganz verboten, bei CFDs wurde der Hebel für private Trader beschränkt. Konkret gelten in Zukunft folgende Vorschriften für die Hebel auf einzelne Underlyings:

  • Forex-Major-Währungspaare: 1:30
  • Forex-Minor-Währungspaare, Index-CFDs (wie Dax) und Gold: 1:20
  • Rohstoff-CFDs: 1:10
  • CFDs auf Kryptowährungen: 1:2

In absoluten Zahlen bedeutet das unter anderem, dass eine Marginanforderung von vormals 24 Euro bei einem 1:500 Hebel sich nun auf 600 Euro bei einem 1:20 Hebel erhöht. Das wäre beispielsweise die Marginanforderung für ein Dax-Lot bei einem Punktestand von 12.000 Punkten des deutschen Leitindex. Diese Beispielrechnung soll nur die Konsequenzen verdeutlichen. Trader können prinzipiell den neuen durch den alten Hebel dividieren, um zu erfahren, wie viel Geld mehr sie für die gleichen Gewinnaussichten in die Hand nehmen müssen (beim Dax: 500:20 x 24 = 600). Allerdings - das ist das Ziel der Regelung - verringert sich auch dementsprechend das Risiko.

Retail Client oder Professional Trader?

Wer als Retail Client (= Privattrader) agiert, kann nur mit den neuen Hebeln agieren. Sämtliche EU-Broker dürfen Tradern aus der EU keine anderen Hebel mehr anbieten. Sie sind regulatorisch vorgeschrieben. Institutionelle Anleger dagegen (sogenannte Professional Trader) können weiter die vormaligen hohen Hebel nutzen, sind aber auch weiterhin zu Nachschüssen verpflichtet, wenn beispielsweise durch einen Crash eine Slippage entsteht, bei der kein Stopploss mehr greift. Das ist durchaus sehr riskant, der Verlust kann den Einsatz um ein Vielfaches übersteigen - bei einem 1:500 Hebel schlimmstenfalls um das 500-Fache.

Können private Trader den Beschränkungen entgehen?

Das ist möglich, wenn sie den Status “Professional Trader” erlangen. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass die Regulierung der ESMA nicht von ungefähr kommt. Die Hauptintention ist der in der Tat nötige Schutz von unerfahrenen Anlegern. Wer keine Erfahrung mit der Hebelwirkung von CFDs hat, kann sehr schnell sehr viel Geld verlieren - selbst ohne Nachschusspflicht. Experten haben Einsteigern schon immer geraten, zunächst mit kleinen Hebeln und begrenztem Kapital zu handeln. Dennoch bieten einige Broker ihren Tradern an, sich um den Status als Professional Trader zu bewerben. Sie müssen dafür aber einem bestimmten Anforderungsprofil entsprechen. Dieses beinhaltet:

  • Der Anleger hat schon über 12 Monate Hebel-Produkte gehandelt. Dabei hat er im Quartal durchschnittlich zehn Orders aufgegeben. Der Nennwert der Aufträge lag über 20.000 Euro.
  • Das Portfolio an Finanzinstrumenten und Bareinlagen beträgt mindestens 500.000 Euro. Es kann bei mehreren Brokern geführt werden.
  • Der Anleger kann eine mindestens einjährige Berufserfahrung in der Finanzbranche vorweisen, die ihm auch Kenntnisse zum CFD- und Forex-Handel verschafft hat. Es kann sich um privat erlangte Kenntnisse handeln. Dieses Kriterium würden also auch private Trader erfüllen, die von ihrem Handel leben.

Von diesen drei Kriterien muss ein Anleger mindestens zwei erfüllen, um den Status als Professional Trader (oder Professional Client) zu erlangen. Das schreiben die Regularien der ESMA vor. Den Status können Neu- und Bestandskunden gleichermaßen beantragen.

Bewertung der neuen ESMA-Regeln

Während einige Broker wie beschrieben nüchtern auf die ESMA-Regulierung reagieren und ihren Kunden konstruktive Vorschläge unterbreiten, ist unter Tradern und Beobachtern eine teilweise heftige Diskussion zur “Regulierungswut” der ESMA entbrannt. Es gibt praktisch keine Stimmen, die positiv auf die Neuregelung reagieren. Trader fühlen sich unmündig behandelt, seriöse Fachleute zweifeln die Kompetenz der ESMA-Verantwortlichen an. Das ist möglicherweise ein nicht ganz gerechtes Urteil. Hierzu muss man den Hintergrund solcher Regeln etwas besser verstehen. Der Markt der Binären Optionen und auch der schon viel länger angebotenen CFDs galt als unreguliert und intransparent. An dieser Auffassung ist durchaus etwas dran, was sich durch ein scheinbar nebensächliches, aber sehr bedeutsames Detail zeigt: Während die ebenfalls sehr hoch gehebelten klassischen Optionen und Knock-outs von den Brokern entweder börslich platziert oder mit den Emittenten im OTC-Handel direkt abgewickelt werden, kaufen Trader die CFDs und die Binären Optionen direkt beim Broker, der als Market Maker auftritt. Der Trader ist also im Zweifelsfall auf die Kursstellung des Brokers angewiesen. Das muss als riskant gelten. Die ESMA kann einzelnen Brokern aber bei einzelnen Trades keinen Betrug nachweisen. Daher greift sie nun zum Mittel der Regulierung.

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